.:.Neophant Ziusson.:.


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Sternenwind

Sternenfee - Oder: Hin und nicht ganz zurueck

Ich kannte mal einen Jungen, er hieß Hrafn Baldursson. Er koennte auch dein Nachbar gewesen sein.
Er war eigentlich ein ganz normaler Junge, nicht besonders auffaellig, aber auch keine kleine Haselmaus.
Dieser Junge ging gerne spazieren, er liebte den Wald. Konnte sich nichts schoeneres vorstellen, wie die hoechsten Baeume zu erklimmen und in den Wipfeln nach Sternen zu greifen.
Ich weiß noch genau was fuer ein Tag es war als er weg ging: Es war einer dieser lauen Sommernaechten die scheinbar ewig dauern. Um einem herum ist so eine lebendige Dunkelheit, obwohl es Nacht ist schlaeft doch fast niemand. Man koennte fast sagen es war eine verheißungsvolle Nacht. Irgendetwas war am brodeln, war am ueberkochen. Doch noch wusste noch niemand so recht was da genau am kochen war. Wasser kocht schließlich auch nur ungerne wenn man ihm dabi zusieht und darauf wartet.
Hrafn wollte also wieder in den Wald gehen, ohne Schuhe das Moos untere den Fueßen spueren, den Geruch von Nadeln und verottendem Laub tief einatmen. Vielleicht ein paar Tiere sehen die sich in der Dunkelheit aus ihrem Bau trauen wuerden.
So ging er dann los, ich glaub er hat noch vorher bei mir geklingelt. Wollte wissen ob ich Lust haette mit ihm wie ein Eichhoernchen herumzutollen, mir ein Nest im hoechsten Baum zu bauen. Auf einem Ast zu sitzen, die Fueße nicht mehr am Boden der Tatsachen zu haben und doch irgendwie verwurzelt zu sein.
Damals hab ich Nein gesagt, ich musste doch lernen, oder kam ein guter Film im Fernsehen? SO genau kann ich das nicht mehr sagen.
Jedenfalls weiß ich noch wie Hrafn leicht enttaeuscht nickte und einfach los rannte.
In den Wald und immer weiter. Bis ins tiefste Innere dieses Waldes, da wo man nichts mehr hoert außer sich selbst. Vielleicht noch das Summen der ganzen Insekten um einem herum. Vielleicht aber auch nicht, wer weiß das schon in einer so verheißungsvollen Nacht?
Da stand er - der hoechste Baum des Waldes. Alt und modrig war er, aber doch noch voller Leben. Er beherbegte auch Leben, zahlreiche Kaefer lebten zwischen seinen Wurzeln, tanzten in morschem Holz.
Ich kann mir vorstellen das Hrafn laecheln musste als er so den alten Baum sah. Wie viel er doch schon gesehen haben musste, wieviel schon vergehen und wieder kehren..Wie unwichtig erschien ihm da sein momentanes Leben.
Es war warm genug um nicht zu frieren und so zog er sich aus, es war so still und ruhig, kein Windhauch kam um seinen Koerper zu liebkosen.
Immer noch laechelnd machte er sich daran den Baum zu ersteigen. Stueck fuer Stueck kam er dem Himmel ein Stueck naeher, die Haende waren voller Harz und faulem Holz.
Und dann...
Leere.
Er war im Himmel..ein Stern selbst geworden unter Sternen. Wann genau das passiert war hatte er noch nicht einmal gemerkt. Eben war er noch auf dem Baum gewesen und dann auf einmal nichts mehr.
Um ihn herum schwirrte und sang das Leben, das Lied der Einheit und der Leere, das Lied des Kreislaufs und das Lied ueber das Fallen der Sterne.
Ein Stern fiel, sein Glanz flackerte anfangs nur schwach, dann fiel er.
Mit einem lautem Knall, oder doch einer leisen Fusion, ich weiß es nicht genau verschmolz er mit Hrafn.
Hrafn oder vielmehr der Stern der er war verlor dabei einen Zacken.
Einen schoenen großen, aber nunja, dafuer haette er ja einen anderen matten Stern in sich aufgenommen.
Der Stern wurde zur Zacke, wurde zu Hrafn selbst.
Und er verstand.
Er blieb wohl noch eine Weile dort oben, schwebte und tanzte im Himmel.
Bis er fiel.
Ich glaub er fiel einfach hinunter, einfach so auf den Waldboden. Die Eichhoernchen werden sich sicher erschreckt haben. Nicht jeden Tag fiel ein nackter Junge vom Himmel.
Der Waldboden sog gierig das Blut auf. Er war ja so trocken..er war ja so dankbar.
Ameisen kamen vorbei und verstanden.
Sie bauten um Hrafn ein Nest, lebten in ihm, lebten durch ihn. Hrafn war immer noch ein Stern. Er war hoch gestiegen und tief gefallen. Er war da..und doch nicht mehr ganz zurueck.
Hatte sich bereit erklaert sich anderen zu zeigen, sich ihnen fuer ihre Aufgabe, ihre Entwicklung hergegeben.
Hrafn war nicht mehr als ein Geaest von abgenagten Rippenknochen, er war ein leuchtender Zacken im Strahlen der SOnne.
Er war in die Unterwelt gegangen. Ruhte sich dort auf dem Waldboden aus, lies sich putzen und genoß die Stille.
Ich bin mir sicher Hrafn wird dir und mir noch einmal begegnen. Wenn seine Zeit reif ist weiß er sicher wann er wieder kommen kann. Dieser Junge hatte nie Angst, er verlor viel und gewann alles.
Wenn du im Wald spazieren gehst..Ameisen siehst, oder eine kleine Blume, durch die ein Strahlen dich anzulaecheln scheint, dann bin ich mir sicher du siehst ihn. Er ist neugierig..und will das du fuer ihn die hohen Baeume erklimmst. Ameisen sind dafuer zu beschaefftigt. Das hat er gelernt.
Wenn ich doch nur mit ihm gegangen waere, dann haette ich auch gelernt zu fliegen. Ich bin mir sicher..ich haette zurueck gefunden.
Ich bin da.
24.4.07 19:47


Von der Frau im Schatten oder: Weißdornfee

Es gab mal ein Frau, oder eher eine sehr alte Oma. So genau kann man das nicht mehr sagen, sie stammt naemlich aus der Zeit vor Zeit.
Jedenfalls war diese Frau sehr nervoes, nur der kleinste Windhauch lies sie erzittern. War das nicht ein wildes Tier? Ein Orkan? Ein Geist?
Ihr Leben war von staendigem Angst haben gepraegt.
Dumm war nur, dass diese Frau, oder das kleine Maedchen, sehr gerne Waldpilze aß. In der Zeit vor der Zeit, also heute und gestern, konnte sie nicht einfach so Waldpilze kaufen gehen. Sie musste sie eintauschen. Aber geh mal auf einen Markt oder zu Leuten wenn du Angst hast. War das da hinten nicht ein boeser Riese? Oder da! Das war doch diese Hexe gewesen..
Es blieb ihr also nichts anderes uebrig als sich diese Pilze selbst zu holen.
Der Wald in ihrer Gegend, ich glaube er war bei dir in der Naehe, war natuerlich so richtig dunkel und gruselig. Wie es sich eben fuer so einen Wald in einem Maerchen gehoert.
Eines schoenen Tages wurde die Frau also mal wieder von ihrer Pilzlust gepackt.
Sie machte sich auf in den Wald, mit einem Korb bewaffnet.
Wie gruselig..wie unheimlich! Der Wald war sooo..duester und sooo groß!
Aber schon sah sie die ersten Pilze, rannte zaehneklappernd zu ihnen. Schwups waren sie ihm Korb. Da roch sie etwas fantastisches! Es konnte nur dieser besonders wohlschmeckende, sehr seltene und wenigen bekannte Pilz sein.
Der Geruch kam leider aus der dunkelsten Ecke in der bestimmt die gemeinsten Ungeheuer lebten. Er war von dicht von einer Hecke mit weißen Blueten umgeben. So mutig wie man als Angsthase sein kann, kam sie naeher. Ihr Herz pochte wie wild. Alles in ihr war auf wegrennen eingestellt..aber dieser Pilz!
Schaudernd stand sie vor der gruseligen Hecke mit den Blueten die nicht gerade gut rochen. Alles voller Spinnen (sicher giftige!), Dornen und fiesen Heckenleuten. So dachte sie zumindest. Sie wollte schon wegrennen, da sah durch einen Spalt den Pilz. Entschlossen versuchte sie durch den Spalt zum Pilz kommen. Ihr Herz machte Hopser vor Angst. Dornen kratzen sie, Wesen pieksten sie. Auf einmal musste sie schreien und konnte nicht mehr aufhoeren. Tja..es kam was kommen musste: Die furchtbar alte Frau fiel in Ohmacht.
Mitten in der Nacht wachte sie auf. Immer noch in der Hecke, voellige Dunkelheit um sich. Doch ihre Angst war aufeinmal weg. Sie atmete tief durch, befreite sich aus der Hecke, schnappte sich den Pilz und kroch zurueck durch die Hecke.
Gerade als sie sich aufrichten wollte sah sie eine Pflanzenfrau vor sich stehen. Es musste wohl die Hecke sein.

"Hab keine Angst vor deine Angst, sie haelt dich gefangen. Vertrau in dich und in mich, dann finden wir schon das Ziel!"

Nach diesen Worten und einem Laecheln war die Pflanzenfrau weg und die Hecke nur eine Hecke.
Bleibt nur noch zu sagen, dass das Maedchen niemals mehr Angst gehabt hat und der Pilz einfach nur lecker war.
22.2.07 17:28



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